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Wir haben zum Einstieg von Martina vom Happy Paws Germany e.V. Team eine lange Reise vorbereitet. Martina hat liebevoll zusammengefasst, wie ihre Erlebnisse mit ihrem eigenen Hund im Zusammenspiel mit Pflegehunden verlaufen sind. Und eine kleine Überraschung gibt es am Ende ebenfalls. Lesen lohnt sich auf jeden Fall!


Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, …. Und dann?

Warum ich unsere Geschichte mit unseren Tierschutzhunden mit dem berühmten Weihnachtsspruch verbinde?
Tja, das ist ganz leicht. Jedes Mal war es für uns ein wenig, wie Geschenke auspacken, wenn wir auf „unseren“ Hund gewartet haben. Aber fangen wir mal von vorne an.
Mitten in der ersten Corona-Welle zeigte sich, wie bei vielen auch, ja, wir möchten einen Hund. Aber nicht wegen Corona, sondern weil wir uns nun sicher waren, dass wir bereit dafür sind. Aufgewachsen mit Mischlingen und Rassehunden und doch relativ hundeunerfahren, waren wir uns sicher, es muss unbedingt ein Mischling sein. Woher, erst einmal egal.
Das gestaltete sich dann doch etwas schwieriger als zuerst gedacht. Die Tierheime waren zu diesem Zeitpunkt leer und im Internet waren einige Hürden zu überwinden. So war uns klar: Tierschutz ist nicht gleich Tierschutz und wir haben über Wochen einige Tierschutzvereine unter die Lupe genommen. Erst dann haben wir Anfragen gestartet, telefoniert, Fragebögen ausgefüllt und so weiter. Ganz schön viel Aufwand für ein „Überraschungsei“.
Nach mehreren Absagen, schließlich hatten wir Katzen, keinen eingezäunten Garten und 3 Kinder (davon eins besonders), kam dann aber schließlich unser erster Tierschutz Hund. Wir suchten nicht unbedingt nach einem Welpen, aber genau das war er.


Unser Welpe aus Italien. Die Anfangszeit war erstaunlich einfach, obwohl er uns als schüchtern beschrieben wurde. Er lebte sich rasend schnell ein, war verdammt schnell stubenrein und vergötterte uns auf Anhieb. Doch ein Kuschelhund sollte es niemals sein. Muss er auch nicht. Er darf auch Fremden gegenüber reserviert sein. Wir merkten sehr schnell, dass unser kleiner Sonnenschein unbedingt einen Artgenossen braucht.
So kam es auch. Aber ein zweiter eigener Hund? Lieber Pflegestelle. Zwei Monate nach unserm Avorio kam dann ein Pflegehund zu uns. Ebenfalls ein Rüde und nur einen Monat älter. Oh je, was haben wir uns da angetan? „2 Rüden im Alter von 6 und 7 Monaten.“ Die ersten 3 Wochen hatten es wirklich in sich. Randale und Zerstörung, angefressene Kabel und Wände. Unser Pflegi hat sich täglich unterworfen, auf den Rücken gelegt und wenn mal niemand hingesehen hat, dann hat er einfach mitten auf den Tisch gepinkelt. Viele hatten Angst vor ihm, sie verstanden nicht, dass er mehr Angst vor uns Menschen hatte und deshalb sehr gern Zähne zeigte. So ein großer schwarzer Hund mit extrem weißen Zähnen sieht ja auch wirklich zum fürchten aus. Wir wurden verurteilt. Manche haben uns zu Hause aufgesucht, wir sollen den Hund doch abgeben und er würde ihre Kinder noch beißen. Wir blieben standhaft und arbeiteten mit Liebe und Sorgfalt an seinen Ängsten auf den Gassi-Runden.
Er hatte aber auch einen sehr großen Vorteil. Er war ein absoluter Knuddel-Indianer, sowohl zu uns als auch zu den Kindern. So nach und nach wurde ein richtig toller Kerl aus ihm und seine Endfamilie hat er nicht einmal mehr angeknurrt, sondern sofort liebend angesprungen. Der Abschied viel uns nach 8 Wochen wirklich extrem schwer und es gab sehr viele Tränen, denn unser „Auslaufmodell“ bleibt nach wie vor in liebevoller Erinnerung.

Unser Avorio wollte wieder einen Kumpel an seiner Seite. Er war noch nicht einmal ein Jahr, aber wir wollten weiter machen. Dieses Mal wurde uns ein dreijähriges Mädchen als Pflegehund anvertraut. Ja sie war ein Engel. Sofort stubenrein und voll am kuscheln. Aber auch sie hatte etwas im Gepäck und zwar zwei Mittelmeerkrankheiten (Leishmaniose und Ehrlichiose) und hatte einen noch größeren Dickschädel als unsere drei Kinder zusammen. Die Ankunft von Stella war sehr emotional und es wurde noch emotionaler, als wir merkten, dass sie anscheinend Artgenossen lieber auf Abstand hält. Auch die Kinder wurden die ersten Tage nur angeknurrt und sie wollte nur uns, ihr Essen und zog sofort auf ihrer Couch ein.
Unser Avorio wäre aber nicht unser Sonnenschein, wenn er nicht als Sozialarbeiter und Vermittler agieren würde. Das Eis war gebrochen, auch wenn der kleine Esel aus unserer Pflegemaus nie ganz verschwinden wollte. Sie war halt einfach von der gemütlichen Sorte. Aber die Hummeln im Hintern hat sie dann doch mal ausgepackt, als es darum ging, dem Jungspund zu zeigen, wie schnell man rennen kann. Aber zusammen liegen war für Stella nie so der Anreiz. Der Abschied nach fast 7 Monaten war dann aber gar nicht so emotional, sondern wir haben uns riesig gefreut.
Schneller als gedacht, kam dann ein Notfall-Welpe zu uns. Einen Monat früher als gedacht und dann noch ein „WELPE“. Wir wussten ja worauf wir uns einlassen. Aber wir sind auf die Schnelle eingesprungen, so wie es sich als Pflegestelle manchmal gehört. Hätte der Kleine als einziger von den 10 Geschwistern zurück bleiben sollen? Natürlich nicht.
Er hatte einen völlig aufgegasten Bauch, war kleiner, als er sein sollte und war zudem auch noch ein wenig ängstlich. Doch auch hier der Vorteil. Er hat uns und vor allem Avorio extrem vertraut. Wir konnten ihn von Anfang an tragen, ihm zeigen, wo das Geschäft erledigt werden soll und er ist gleich mit uns spazieren gegangen. Doch auch hier zeigte sich, er war viel schlapper, als er meinte. Er wurde kurzerhand nach Hause getragen. Das war für ihn das Allerbeste. Auf der Couch, auf dem Boden, hieß es nur kuscheln, kuscheln und nochmals kuscheln. Die ersten Tage ist er uns auf Schritt und Tritt gefolgt. Sein großer Bruder hat ihn immer eingewickelt, damit er vor allem geschützt ist. Das Sauberwerden war hier auch wieder eine kleinere Herausforderung, aber für einen Welpen, war er „noch“ sehr artig. Nur mit dem Essen war es so ein kleines Problem. Was haben wir nicht alles versucht. Tagelang hat er nur aus der Hand gefressen, später im Napf, aber auch nur, wenn dieser von uns gehalten wurde. Aber diese kleine Herausforderung haben wir ebenfalls geschafft. Nach kurzen 5 Wochen durfte auch er zu seiner Endfamilie ziehen und unser Avorio war dieses Mal noch kränklicher, als bisher. Dieser Abschied war für ihn der allerschwerste.

Nach drei Pflegehunden stellte sich nun die Frage: Was nun?! Nach intensiven 3 Wochen ist die Entscheidung gefallen, der nächste Hund bleibt für immer, aber er muss ja auch passen. Wieder stellten sich die gleichen Herausforderungen, aber dieses Mal sollte alles perfekt sein. Gibt es überhaupt den perfekten Hund?! Und ja, ihr lest richtig. Auch mit dieser minimalen Pflegestellen-Erfahrung stellt man sich genau die gleichen Fragen. Sicher waren wir uns nur, es soll ein Hund mit einem Mindestalter von 2 Jahren sein. Ansonsten sollte uns dieser Hund einfach mit seinen Augen ansprechen. Ich habe mich sofort in Zada aus Rumänien verliebt, unsere Begleiterin auf 4 Pfoten, aber da waren noch so viele andere Fellnasen, jeder auf seine Art und Weise für uns ein (Traum)hund, wenn man sich nicht vor der Arbeit drückt. Vier Hunde blieben zur Wahl und am Ende entschied das Los und ellenlange Gespräche.
Und dann kam sie unser Mädchen. Wir waren ja schon fast Profis beim Abholen und Einladen von den Pflegehunden, aber dieses Mal kam diese Ungewissheit mit: Was ist, wenn doch nicht alles klappt?

Zada war bisher die aller ängstlichste und blieb in ihrer Transportkiste liegen. Verweigerte Wasser und Essen. Knurrte Avorio an, denn auch er war ihr nicht geheuer. Also blieb ich nach einer Weile einfach 5 Meter entfernt von der Kiste sitzen und habe das Trockenfutter mal so in die Richtung ihrer Transportkiste geworfen, ohne sie auch nur anzusehen. Das Spiel haben wir ca. 20 Minuten gespielt. Und dann haben wir einfach gewartet.

5 Stunden nach Ankunft kam sie bereits freiwillig aus der Kiste gekrochen, sie war ja auch neugierig und die Blase hat gedrückt. Der lange, dunkle Flur versetzte sie in Panik und es passierte …. dennoch nichts. Sie wusste anscheinend, was sich gehört. Also was machen mit einem Hund, der keine Fluchttendenzen hat, weil der Flur unheimlich ist und dennoch Angst vor uns Zweibeinern hat. Man sah ihr das richtig an. Also versuchte ich sie zu streicheln und siehe da, sie vertraute und ließ sich hoch nehmen. Schnell noch die Leine an sie dran und wir gingen eng umschlungen in den Garten. Ich weiß nicht, wer in diesem Fall mehr Angst hatte. Sie, weil sie mir so nah war oder doch ich, weil ich nicht wusste, wie sie reagiert und vielleicht schnappt und noch mehr Angst bekommt. Es war keine leichte Entscheidung, aber …. offensichtlich die Richtige. Hätte ich aber nicht bei jedem Hund gemacht, sondern lieber gewischt oder den Hund mit der Kiste raus getragen.

Hier war dann das Eis gebrochen. Avorio hat seinen Charme ausgepackt, so wie er es bereits gewohnt war und auch hier zeigte sich, sie durfte schnüffeln und Avorio kennenlernen, aber sobald er die Nase auch nur ansetzte, kam wieder ein lautes Knurren.
Sehr schnell war Zada aber bereit, unsere Gassi-Runden kennenzulernen, je länger desto besser, da mussten wir sie einbremsen und sind kürzer und die gleichen Runden gegangen. Manches machte ihr Angst, bei manchen Sachen blieb sie völlig kalt. Auf Menschen reagierte sie aber erstaunlicherweise immer freundlich. Dann blieb nur noch die Angst vor Ungewöhnlichem und Durchgängen.
Ein paar Mal ging dann trotzdem auch bei ihr etwas daneben. Letztens, als wir im Urlaub waren und alles am zusammenpacken waren, da hat sie einfach unter sich gemacht und sich dann hinter der Couch versteckt. Na ja, passiert halt mal. Vielleicht war es eine Erinnerung, weil sie eventuell schon mal verlassen wurde. Das werden wir nie erfahren. Müssen wir das? Die Antwort lautet ganz klar: „Nein!“
Der große Vorteil ist, dass die Maus mehr als lernwillig ist und wirklich „arbeiten“ möchte. Das bekommt sie auch. Und nach 2 Monaten können wir sagen. Ja, sie ist ein Traumhund für uns alle und ist nicht mehr weg zu denken. Selbst die Katzen akzeptieren sie.
Jeden Tag, wenn ich meine zwei spielen und durch den eingezäunten Teil des Gartens rennen sehe, dann wird selbst der dunkelste Tag hell. Und dann weiß ich wieder, wir haben alles richtig gemacht.

Wir lieben unsere Überraschungseier und Weihnachtsgeschenke. Vieles können unsere Fellnasen erlernen, andere Eigenarten bleiben für immer. Aber ohne die beiden möchten wir die Tage nicht mehr verbringen. Auch wenn es manchmal wirklich neben den Alltagsaktivitäten anstrengend ist,  noch die letzte Gassi-Runde am Abend zu gehen. Man bekommt so viel zurück und irgendwie vermisse ich auch die Pflegestellen-Tätigkeit. Doch drei Hunde sind dann doch zu viel.